Worum geht es bei dem Projekt Abenteuer Eckstein?! Genau – es geht um “Draußen spielen in den Ferien”.

Grundschulkinder im Alter von 6 bis 10 Jahren starten in erlebnisreiche Tage und erkunden Wald und Wiesen in der Umgebung. Raus aus der digitalen Welt, rein ins echte Leben geht es mit der Natur- und Kunstpädagogin Sonja Stappert. Sie nimmt die Kinder mit auf eine abenteuerliche Reise in die abwechslungsreiche Landschaft rund um Velmede-Bestwig. Egal bei welchem Wetter, draußen gibt es immer etwas zu entdecken!

Im Rahmen des LEADER-Projekts „Draußen spielen möglich machen“ hat die Dorfgemeinschaft in Zusammenarbeit mit der erfahrenen Natur- und Kunstpädagogin ein vielfältiges Angebot für Grundschulkinder aus der Gemeinde Bestwig zusammengestellt.

 

Kindern wird die Natur und das Draußen-Spiel immer fremder. Was früher selbstverständlich war, nämlich dass man sich nachmittags draußen zum Spielen auf der Straße trifft, ist längst Vergangenheit. Vielseitige andere Aktivitäten lassen Kinder oftmals keinen Raum mehr, eigene Naturerfahrungen zu machen. Die Grundsteine zur Natur-Vermittlung werden heutzutage nicht mehr in den Familien an die Kinder weitergegeben, wie das noch eine Generation vor uns der Fall war. Die heutige Elterngeneration hat meist selbst nicht mehr als Kind draußen gespielt, kann also auch nicht helfen, die Natur für Kinder spannend und erlebnisreich zu vermitteln. Umso wichtiger ist es, Kindern einen Anreiz zum Spielen in der Natur zu geben, damit sie Eltern und Geschwister ebenfalls für den Aufenthalt im Freien begeistern können.

Kindheit ist nicht nur in Bestwig-Velmede im Wandel. Kindheit findet heutzutage eher in geschlossenen Räumen statt. Der Bewegungsradius ist eingeschränkt. Evolutionär gesehen sind Menschen jedoch nicht für das Leben als Stubenhocker bestimmt. Wir sind Jäger und Sammler und es steckt uns in den Genen, etwas aus dem zu schaffen, was uns die Natur zur Verfügung stellt, immer in Bewegung zu sein, vorausschauend denken und handeln können und ein gutes Bauchgefühl entwickeln zu können (dürfen), welches uns durch Höhen und Tiefen des Lebens lenkt.
Schauen wir jedoch auf die Kinder, die in dieser (unserer westlichen) Welt derzeit groß werden, sehen wir ein ganz anderes Bild: Die Bewegungsfreiheit der Kinder nimmt immer mehr ab. Kinder werden immer unselbstständiger. Sie sollen alles können, dürfen aber nie dafür trainieren. Sie lernen ihre Grenzen nicht auszuloten. Alles ist reglementiert und durch ein vorgeschriebenes Raster festgelegt. Kinder werden in einer Welt groß, die ihnen zwar alles an Materiellem bietet, jedoch zählen echte Erfahrungen mit Hand, Herz und Verstand machen zu dürfen, nicht dazu.

Gegenwärtige Bestandsaufnahme im Doppelort Bestwig-Velmede
Und doch scheinen speziell in Bestwig-Velmede noch einige Faktoren eine ganz besondere Rolle zu spielen, weshalb Kinder das Spiel im Freien weder suchen noch finden:
• Lange Wege für kurze Beine in die Natur (geografische Lage, Verbauung durch Bundesstraße – eine der meistbefahrenen Straßen in NRW durchschneidet Bestwig-Velmede der Länge nach-, Weihnachtsbaumkulturen bis an die Wohngebiete)
• Naturpädagogische Angebote werden nur unterschwellig mit viel Werbung und dem persönlichen Kontakt zu den Eltern wahrgenommen
• Der Kontakt zur Natur wird aber durchaus gesucht (Beispiel: Eltern-Kind-Waldspielgruppe) – Eltern brauchen und wünschen sich teilweise auch wieder ein Heranführen an die Natur
• Stichwort Heimkehrer: Es kommt in die Heimat zurück, wer u.a. eine glückliche Kindheit hatte, wer (auch) draußen spielen durfte und eine innere Verbindung mit der Heimat in sich trägt (Kinderzimmer sehen überall gleich aus, ob in der Großstadt, oder auf dem Land)
Deshalb hat es sich die Dorfgemeinschaft Velmede-Bestwig in Zusammenarbeit mit der Natur- und Kunstpädagogin Sonja Stappert zum Ziel gesetzt, Kindern wieder echte Erlebnisse in der Natur zu ermöglichen.
Der Schwerpunkt des „Abenteuer Ecksteins“ mit seinem Programmherzstück „Draußen in der Freiluftwerkstatt“, bringt Kindern in diesem Jahr vor allem Themen wie Ressourcenschonung, Recycling und Upcycling, sowie künstlerisch-nachhaltiges Experimentieren und Werkeln nahe.
Weitere Ziele unserer Arbeit im „Abenteuer Eckstein“
• Naturentfremdung auf dem Land gegenwirken
• Attraktivität des Ortes für Familien steigern (Heimkehrer wünschen sich auch Naturkontakt für ihre eigenen Kinder)
• Bindung und Identifikationsmöglichkeit mit der Heimat schaffen
• Naturverständnis entwickeln lernen
• Gestaltung von sicheren Naturräumen für Kinder
• Naturnahe Freizeitgestaltung etablieren
• Empathie gegenüber Natur, Umwelt und Tieren entwickeln lernen
• Nur was der Mensch kennt, kann er auch schützen
• Soziale Kompetenzen / Ich-Kompetenz
• „Nichts ist im Verstand, was vorher nicht in den Sinnen war“ (John Locke 1632-1704)
• Handwerkliches Experimentieren
• Kreativ werden müssen / dürfen
• Ressourcennutzung
• Langeweile erspüren und etwas daraus entstehen lassen (auch Stichwort „Suchtprävention“)
• Vielseitige Bewegungsanreize
• Förderung der Grob- und Feinmotorik
• Wertschätzung erfahren
• Eigeninitiative
• Freiheit erleben
• Ressourcennutzung
• Nachhaltigkeit erfahren
• Steigerung der Konzentration
• Selbstwert
• Bewegungsanreize durch zu bewältigende Fußwege
• Grenzen ausloten
• ADHS vorbeugen (vgl. Gerald Hüther)
• Initiative gegen schnelllebiges Spiel
• „Das Spiel ist die höchste Form der Forschung“ (Albert Einstein)
• Sich dreckig machen sollen / dürfen – einen Raum dafür vorzufinden im Gegensatz zu allen anderen Lebensbereichen
• Misserfolge, Freiheit, Erfolg, Verantwortung, Risikobereitschaft – all das und noch viel mehr erfahren dürfen

Was sagt der Name „Eckstein“ aus?
Eckstein, Eckstein, alles muss versteckt sein – 1,2,3 – ich komme… Das war früher ein bei Kindern ein bekannter Abzählreim beim Versteckspiel. Um mehr Ecken zum Verstecken und den damit verbundenen Spielideen Kindern wieder näher zu bringen, dafür soll das Abenteuer Eckstein einen Anstoß geben.